Nvidia-Aktie Unter Druck: Geduld Gefragt

Der US-Technologiekonzern Nvidia steht erneut im Fokus der Finanzmärkte. Obwohl das Unternehmen voraussichtlich beeindruckende Ergebnisse im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) präsentieren wird, bleibt die Aktie für Investoren mit erheblichen Risiken verbunden.

Die bevorstehenden Geschäftszahlen für das Geschäftsjahr 2025/26, das am 31. Januar endete, werden mit großer Spannung erwartet. Die Veröffentlichung ist für Mittwochabend nach Börsenschluss in den USA angesetzt.

Ein Branchenriese Mit Langer Historie

Nvidia ist längst kein junges Start-up mehr. Der Börsengang erfolgte bereits am 22. Januar 1999 – also vor mehr als 27 Jahren. Damals notierte die Aktie nur bei einem Bruchteil des heutigen Kurses von rund 192 US-Dollar. Über viele Jahre bewegte sich der Wert kaum über der Nulllinie.

Heute hingegen gilt Nvidia als Gradmesser für den gesamten Technologiesektor – ähnlich wie einst Nokia in den 2010er-Jahren. Die Entwicklung des Unternehmens wird von Investoren weltweit aufmerksam verfolgt, da sie als Indikator für die Dynamik des globalen KI-Marktes gilt.

Erwartete Rekordzahlen Für Das Geschäftsjahr 2025/26

Analysten gehen mehrheitlich davon aus, dass Nvidia erneut starke Ergebnisse vorlegen wird. Die Konsensschätzungen für das Gesamtjahr liegen bei:

KennzahlPrognose 2025/26VorjahrVeränderung
Umsatz Gesamtjahr213,3 Mrd. USD
Umsatz Q4 (Nov–Jan)65,67 Mrd. USDca. 39,3 Mrd. USD+67 %
Gewinn je Aktie (Q4, bereinigt)1,52 USD0,89 USD+71 %
Gewinn je Aktie Gesamtjahr (bereinigt)4,69 USD

Besonders das vierte Quartal von November bis Januar soll für einen kräftigen Wachstumsschub gesorgt haben. Der Umsatz wird auf rund 65,67 Milliarden US-Dollar geschätzt – ein Plus von etwa 67 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll im gleichen Zeitraum von 0,89 auf 1,52 US-Dollar gestiegen sein.

Analysten Sehen Zusätzliche Überraschungspotenziale

Ein bloßes Erreichen der Prognosen reicht für Nvidia allerdings nicht aus, um die hohen Markterwartungen zu erfüllen. Einige Marktbeobachter rechnen sogar mit noch besseren Zahlen.

Der Analyst Rick Schafer von Oppenheimer hält eine deutliche Übertreffung der Konsensschätzungen für möglich.

Er verweist auf ein mögliches Umsatzplus von zwei bis drei Milliarden US-Dollar über den bisherigen Erwartungen, insbesondere getrieben durch ein neues System. Auch Wedbush zeigt sich überzeugt, dass Nvidia sowohl bei den Zahlen als auch beim Ausblick positiv überraschen könnte.

Gerade der Ausblick steht im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Investoren möchten wissen, ob das hohe Wachstumstempo im KI-Segment nachhaltig bleibt.

Rückenwind Durch Massive KI-Investitionen

Die Rahmenbedingungen erscheinen günstig. Große Technologiekonzerne wie Amazon, Meta Platforms (Muttergesellschaft von Facebook) und insbesondere Alphabet (Google-Mutterkonzern) haben im Verlauf der aktuellen Berichtssaison deutlich höhere Investitionen in Künstliche Intelligenz angekündigt.

Diese Investitionsoffensive stärkt die Nachfrage nach leistungsfähigen Chips und Recheninfrastruktur – ein Kernbereich von Nvidia. Das Unternehmen ist ein zentraler Anbieter von KI-Beschleunigern und betreibt ein umfangreiches Computing-Ökosystem, das für viele Anwendungen unverzichtbar geworden ist.

Geopolitik Als Risikofaktor

Trotz der starken operativen Entwicklung bleibt die Aktie anfällig für politische Einflüsse. Nvidia ist in globalpolitische Spannungen eingebunden, insbesondere im Verhältnis zwischen den USA und China.

Für bestimmte Hochleistungschips benötigt das Unternehmen eine spezielle Exportlizenz, um Produkte nach China liefern zu dürfen. Diese Genehmigungen werden nicht automatisch erteilt. Medienberichten zufolge entstand im April des vergangenen Jahres – und damit im laufenden Berichtszeitraum – eine Belastung im mittleren einstelligen Milliardenbereich.

Später begann das US-Handelsministerium zwar mit der Erteilung von Lizenzen für den Export des Chips „H20“ nach China. Umfang und konkrete Details bleiben jedoch unklar. Ob die zuvor befürchteten finanziellen Belastungen vollständig eingetreten sind, ist daher noch offen.

Überreaktionen An Der Börse

Die starke Abhängigkeit vom KI-Boom sowie geopolitische Unsicherheiten erklären, warum Nvidia-Aktionäre regelmäßig starke Kursschwankungen erleben. Ein erheblicher Teil des erwarteten Wachstums ist bereits im Aktienkurs eingepreist.

Deshalb reagiert das Papier häufig überproportional auf externe Faktoren wie:

  • Zinsentwicklungen
  • Technologiemarktsentiment
  • Handelskonflikte
  • Politische Entscheidungen

Selbst eine deutliche Übertreffung der Erwartungen garantiert daher keinen nachhaltigen Kursanstieg.

Ein Beispiel für diese Volatilität zeigte sich im vergangenen Jahr rund um den sogenannten „Liberation Day“, als der damalige US-Präsident Donald Trump neue Zollmaßnahmen ankündigte. In dieser Phase fiel der Nvidia-Kurs kurzfristig unter 100 US-Dollar.

Nvidia Als Branchenbarometer

Die Nachrichtenagentur Reuters bezeichnet Nvidia rund um die Quartalszahlen als Branchenbarometer – insbesondere im Hinblick auf Investitionsbereitschaft im KI-Bereich. Tatsächlich korrelieren die Geschäftszahlen des Unternehmens stark mit der Stimmung im Technologiesektor.

Dennoch sollte beachtet werden, dass geopolitische Entwicklungen und regulatorische Eingriffe ebenfalls erheblichen Einfluss haben – unabhängig von der tatsächlichen Nachfrage nach KI-Technologien.

Zudem stellt Nvidia zwar einen zentralen Bestandteil der KI-Wertschöpfungskette dar, deckt jedoch nur einen Teil davon ab. Software, Cloud-Infrastruktur, Anwendungen und Datenverarbeitung sind weitere entscheidende Komponenten des Ökosystems.

Fazit

Nvidia steht weiterhin im Zentrum des globalen KI-Booms und dürfte starke Geschäftszahlen vorlegen. Analysten erwarten Rekordumsätze und deutlich steigende Gewinne. Gleichzeitig sind die Erwartungen am Markt extrem hoch, sodass selbst positive Überraschungen nicht automatisch zu steigenden Kursen führen müssen.

Die Kombination aus ambitionierter Bewertung, geopolitischen Unsicherheiten und hoher Abhängigkeit vom KI-Investitionszyklus macht die Aktie volatil. Für Investoren bedeutet das: Langfristiges Potenzial trifft auf kurzfristige Risiken. Wer engagiert ist oder einsteigen möchte, sollte starke Nerven mitbringen.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist Nvidia trotz starker Zahlen eine riskante Aktie?

Weil viel zukünftiges Wachstum bereits im Kurs enthalten ist und geopolitische Risiken zusätzliche Unsicherheit schaffen.

Welche Rolle spielt China für Nvidia?

Für bestimmte Chips sind Exportlizenzen erforderlich. Politische Spannungen können Umsätze erheblich beeinflussen.

Warum gilt Nvidia als Branchenbarometer?

Die Geschäftszahlen spiegeln die Investitionsbereitschaft im KI-Sektor wider und beeinflussen die Stimmung im gesamten Technologiesegment.

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