Busse bleiben im Depot, Straßenbahnen und U-Bahnen stehen in den Abstellanlagen: Fahrgäste des kommunalen Nahverkehrs müssen sich am Freitag und Samstag erneut auf massive Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat diesmal zu einem zweitägigen Warnstreik aufgerufen. Insgesamt sind 13 bayerische Kommunen betroffen.
Bereits nach dem zweiten ergebnislosen Verhandlungstermin am 11. Februar war klar, dass die Arbeitskampfmaßnahmen ausgeweitet werden könnten. Konkrete Termine und Orte nannte die Gewerkschaft zunächst nicht. Nun steht fest: Der Nahverkehr in mehreren bayerischen Städten wird erneut weitgehend lahmgelegt – darunter auch die Ballungsräume München und Nürnberg, die bereits mehrfach betroffen waren.
13 Städte In Bayern Auf Der Streikliste
Auch wenn sich erfahrungsgemäß nicht alle Beschäftigten an den Streiks beteiligen, sind deutliche Auswirkungen zu erwarten. Aufgerufen sind neben dem Fahrpersonal auch Mitarbeitende aus Leitstellen, Werkstätten und Verwaltung.
Laut Verdi stehen folgende Städte auf der Streikliste:
- München
- Nürnberg
- Augsburg
- Regensburg
- Fürth
- Bamberg
- Schweinfurt
- Landshut
- Passau
- Dachau
- Schwabach
- Bayreuth
- Ingolstadt
Die meisten dieser Kommunen waren im laufenden Tarifkonflikt bereits mindestens einmal ganztägig von Warnstreiks betroffen.
Nicht betroffen ist Würzburg. Dort gilt noch der laufende Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, sodass eine Friedenspflicht besteht und Streiks ausgeschlossen sind.
Spürbare Auswirkungen Für Pendler Und Schüler
Wie stark der Nahverkehr tatsächlich eingeschränkt sein wird, hängt unter anderem von der Streikbeteiligung ab. Auch private Betreiber, die im Auftrag von Kommunen fahren, sind nicht streikberechtigt und können weiterhin im Einsatz sein.
Die S-Bahnen in den Ballungsräumen sind ebenfalls nicht vom Arbeitskampf betroffen, da sie zur Deutschen Bahn gehören und einem anderen Tarifvertrag unterliegen.
Für viele Fahrgäste bedeutet das jedoch: Wer auf Busse, Straßenbahnen oder U-Bahnen angewiesen ist, um zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen zu gelangen, muss mit Ausfällen rechnen.
Beim letzten Warnstreik gelang es den Münchner Verkehrsbetrieben beispielsweise, die U6 Richtung Allianz Arena trotz Streiks fahren zu lassen, damit Fußballfans das DFB-Pokalspiel besuchen konnten. Dennoch kam es rund um München zu erheblichen Verkehrsbehinderungen mit langen Staus auf Straßen und Autobahnen.
Am kommenden Wochenende spielt der FC Bayern auswärts in der Bundesliga – zusätzliche Sonderlösungen im Nahverkehr sind daher nicht zu erwarten.
Tarifverhandlungen Ohne Durchbruch
Die Gespräche zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft sind bislang ohne greifbares Ergebnis geblieben. Seit einiger Zeit wird in den einzelnen Bundesländern über neue Tarifverträge im kommunalen Nahverkehr verhandelt.
Im Mittelpunkt stehen vor allem:
- Verbesserte Arbeitsbedingungen
- Kürzere Schichtzeiten
- Höhere Zuschläge
- Einkommenssteigerungen
In Bayern fordert Verdi besonders weitreichende Änderungen.
Forderungen Der Gewerkschaft Verdi
Verdi Bayern verlangt ein deutliches Einkommensplus. Konkret fordert die Gewerkschaft:
- Rund 670 Euro mehr pro Monat
- Das entspricht bis zu 16 Prozent Gehaltssteigerung
- Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 35 Stunden
Begründet werden die Forderungen mit den weiterhin hohen Lebenshaltungskosten, steigenden Mieten und der allgemeinen Preisentwicklung. Zudem müsse der Beruf im Nahverkehr attraktiver werden, um langfristig ausreichend Fachkräfte zu gewinnen.
Reaktion Der Arbeitgeber
Die kommunalen Arbeitgeber zeigen sich von den Forderungen wenig überzeugt. Der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern bezeichnet die Gewerkschaftsforderungen als finanziell nicht tragbar.
Nach Angaben der Arbeitgeberseite bestehe derzeit auch kein akuter Personalmangel, der solch umfassende Zugeständnisse rechtfertige.
Das bisherige Angebot der Arbeitgeber umfasst:
- Mindestens fünf Prozent mehr Lohn
- Umsetzung in zwei Stufen
- Laufzeit von zwei Jahren
- Option auf längere Arbeitszeit gegen zusätzlichen Zuschlag
Für Verdi reicht dieses Angebot jedoch nicht aus. Die Gewerkschaft spricht von einem unzureichenden Entgegenkommen.
Nächste Verhandlungsrunde Am 9. März
Eine weitere Gesprächsrunde ist für den 9. März in Nürnberg angesetzt. Ob es dort zu einer Annäherung kommt oder weitere Streiks folgen, bleibt offen. Beide Seiten zeigen sich bislang wenig kompromissbereit, was die Situation weiter zuspitzt.
Die erneuten Warnstreiks im bayerischen Nahverkehr verdeutlichen die angespannte Lage im Tarifkonflikt. Während Verdi deutliche Verbesserungen bei Gehalt und Arbeitszeit fordert, verweisen die Arbeitgeber auf finanzielle Grenzen und fehlende Notwendigkeit drastischer Maßnahmen.
Für Fahrgäste bedeutet dies vorerst weitere Unsicherheit und erhebliche Einschränkungen im Alltag. Sollte auch die nächste Verhandlungsrunde ohne Einigung enden, könnten weitere Streiktage folgen. Eine schnelle Lösung erscheint derzeit unwahrscheinlich.